Call for Papers 2021

Im Quartier

Die Corona-Pandemie hat die Bauwirtschaft aus einer jahrelangen Hochkonjunktur gerissen. Im selben Zeitraum sind Digitalisierung und Ökologisierung/Klimaschutz als Entwicklungsthemen auf EU-Ebene (European Green Deal) und auch durch die österreichische Bundesregierung ausgerufen worden. 

BauZ! 2021, der 18. Wiener Kongress für zukunftsfähiges Bauen begleitet den Neustart der Branche im Jahr 2021. An zwei Tagen werden zukunftsträchtige Lösungen und Konzepte präsentiert und mit heimischem und internationalem Publikum diskutiert.

Der BauZ! Kongress ist eine Zusammenarbeit des IBO mit Universitäten (TU Wien, BOKU, DU Krems), Fachhochschulen (FH Technikum), außeruniversitären Forschungseinrichtungen (ACR, Austrain Cooperative Research), WKO Außenwirtschaft (Future of Building), Wirtschaftsagenturen der Länder (ecoplus NÖ, Wiener Wirtschaftsagentur) sowie Business Finland.

Wir laden zu Beiträgen ein: Ihr Beitrag kann die Präsentation eines Bauvorhabens, einer Produktentwicklung oder einer (abgeschlossenen) Forschungsarbeit sein. Digitalisierung, BIM, Vorfertigung kann darin eine Rolle spielen, das Hauptthema aber sollte eines der folgenden Themen treffen:

1. Lebenswerte Quartiere

Überlegungen

Was ist ein Quartier? Das Gebiet, in dem man fußläufig unterwegs sein kann, in dem man im entsprechenden Radius hoffentlich eine Haltestelle eines häufig verkehrenden öffentlichen Verkehrsmittels findet, ein Gebiet mit einigen 1.000 bis einigen 10.000 Einwohnern, in Wien: ein „Grätzl“.

Quartiere, das sind Anordnungen von Gebäuden mit öffentlichem und privaten Raum dazwischen, dem Raum, der eigentlich das ausmacht, was man Stadt, Siedlung oder Ort bezeichnet. Bewohnergerechte Quartiere sind solche, bei denen man beim Verlassen des Hauses zwar nach draußen, ins Freie – aber zugleich hinein in den Stadtraum und unter die Leute kommt. 

Dazu gehören Freiflächen, Parks, Lebensraum für Pflanzen und Tiere, Luftschneisen, vertikale und horizontale Grünflächen an Gebäuden, Infrastruktur wie Arbeitsplätze und Wohnen in guter Mischung oder in geringer Entfernung voneinander, Einkaufen, Gesundheit, alle Dienstleistungen …

Und wie bewege ich mich in der Stadt? Das Quartier als Zone der Begegnung ihrer BenutzerInnen, während sie zu Fuß unterwegs sind oder verschiedene Verkehrsmittel nutzen. Da und dort wurde das Konzept der Trennung der Verkehrsströme schon revidiert, in sein Gegenteil verkehrt und als „Begegnungszone“ verkehrsrechtlich formalisiert. Potenziale der Begegnungszone…

Lob der „Gstettn“, der Brache! „Ein Ort, der nichts kann und deshalb alles kann.“ (Ulla Unzeitig). Ein Ort, dessen Bedeutung ungültig und noch durch keine neue Deutung und Nutzung überschrieben wurde.

Quartiere beginnen bereits im Gebäude: Gemeinschaftsflächen, Erdgeschoßzone

Erfahrungen aus dem Lockdown im Frühjahr 2020: was macht meine unmittelbare Umgebung lebenswert(er)? Balkonoffensive. Neues Wohnbedürfnis „Home Office“.

Immobilienentwicklung kann Quartiersentwicklung sein: was tun mit ungenutzten Immobilien, die einfach häßlich sind, in Industriegebieten liegen, aber z.B. erst 10 Jahre alt sind?

Nachhaltige Versorgung im Quartier (= Materialien, Nahrungsmittel, Wasser, Luft, Energie). Urban Farming im Leerstand? (Zwischennutzung).

Gibt es „Quartiere“ im ländlichen Raum? Ja, aber dort heißen sie vielleicht Ortskerne. Jedenfalls lassen sich dieselben Merkmale oder Funktionenprofile wie in städtischen Quartieren beobachten: Zuzug, Fortzug, Einpendeln, Auspendeln, Infrastruktur jeder Art, Abwesenheit oder Schwinden von wichtiger Infrastruktur. Regionale Strukturen am Land: der Bauer als Nahversorger, der Arbeitgeber im Ort, der Arzt des Vertrauens im Ort, das soziale Umfeld, die Nachbarschaftshilfe.

Gibt es Versuche, analog zum „2000 W“-Konzept für städtische Quartiere auch für ländliche Räume Messgrößen und Konzepte zu finden?

Drei Themen

  1. Freiraum, grün, ein Ort der Regeln, ein Ort der Möglichkeiten
  2. Verkehr im Begegnungsraum
  3. Leben und Arbeiten, Erdgeschoße, Quartiersentwicklung, Zwischennutzung

2. Plusenergie-Quartiere

Überlegungen

Klimagerechte Quartiere sind Plusenergiequartiere. Die EU wollen bis 2025 mindestens 100 Plusenergiequartiere (Positive Energy Districts) realisiert haben.

Klimagerechte Quartiere sind CO2-neutrale Quartiere. CO2-neutraler Fußabdruck 2040 – in welchen Gebäuden und Quartieren? CO2-neutrale Quartiere 2040 – 0 Tonnen CO2 pro Person?

Plusenergie-Quartiere betreiben Sektorkopplung: gekoppelt werden die Sektoren Elektrizität, Wärmeversorgung (bzw. Kälte), Verkehr und Industrie. Quartiere bekommen also eine neue Infrastruktur aus Energiegewinnung, Speicherung und bedarfsgerechter Verteilung zwischen Gebäuden. Die bisherige zentrale Energieversorgung erhält eine neue und nicht einfache Rolle: als Pufferung.

Blackout: die nächste Krise? Sind energieflexible Plusenergie-Quartiere resilienter?

Energieflexible Gebäude sind Objekte der Sanierung wie des Neubaus. Denn Quartiere sind mit wenigen Ausnahmen bereits gebaut und werden nur erweitert, renoviert, verdichtet und fallweise mit Neubauten ergänzt sowie mit Umnutzungen aufgewertet. Welche Vorkehrungen sind sinnvoll, die ein Gebäude auf Sektorkopplung/flexible Energieversorgung vorbereiten? Die EU möchte auf Basis des „Clean Energy for All Europeans“-Maßnahmenpakets von 2016 im Gebäudebereich intelligente Technologien mit einem hohen Anteil an erneuerbaren Energien und mit Energieeffizienz verschränken. Dazu soll auch die Bewertung der „Smart Readiness“ durch einen Indikator beitragen, um die Gebäude für die zukünftigen Anforderungen in erneuerbaren Energienetzen und die Bedürfnisse der NutzerInnen vorzubereiten.

Welchen Nutzen bringt ein energieflexibler Gebäudebetrieb den BewohnerInnen? Wie kann Energieflexibilität auch die Effizienz von Gebäuden steigern? Welche Geschäftsmodelle und Tarifmodelle braucht es für eine breite Umsetzung energieflexibler Gebäude? Braucht das intelligente Gebäude smarte Nutzer?

Drei Themen

  1. CO2-neutrale Quartiere
  2. Energieflexible Quartiere
  3. Geschäftsmodelle, Tarifmodelle, Eigentumsverhältnisse

3. Low-Tech-Prinzipien und Materialwahl für Neubau und Sanierungen im Quartier

Überlegungen

Klimagerechte, CO2-neutrale, energieflexible Gebäude werden nach Low-tech-Prinzipien gebaut und betrieben. Das bedeutet, dass einfache Lösungen gesucht werden. Thermische Fähigkeiten der Gebäudehülle und eine Architektur, die natürliche Belichtung und Potentiale für natürliche Belüftung nützt, verringern den Aufwand für Klimatisierung und Lüftung. Der Anteil der gebauten, aber der eigentlichen Nutzung entzogenen Kubatur, der für Verkabelungen, Verrohrungen, Luftführungen und Aggregate der Haustechnik beansprucht wird, wird kleiner. Ebenso verringern sich Aufwände fürHerstellung und Wartung solcher Anlagen sowie der Energieaufwand für den Betrieb.

Low-Tech-Prinzipien interessieren aus vielen Gesichtspunkten: Was ist der ökologische beste Gebäudestandard bezüglich Klima- und Ressourcenschonung? Low-Tech in der Smart City. Geht das überhaupt? Low-Tech, auch im Bürobau – Innovation mit weniger Technik? Low-Tech und Nutzerkomfort – Regelt sich mein Gebäude von selbst? Low-Tech oder Simple Tech – Muss es ganz ohne Technik gehen?

Sanierung kann auch ein Quartiersthema sein: gebäudeübergreifende Sanierungen. Gibt es neue Geschäftsmodelle für Sanierungen?

Sanierung oder Neubau? Das ist auch eine Frage der Materialwahl: Wenn der Heizwärmebedarf und Kühlbedarf gegen null geht, wird der Anteil der grauen Energie der Baustoffe in der Bilanz immer dominanter. Sind dann Renovierung oder Holzneubau die wesentlichen Alternativen, die sich abzeichnen?

Baustoffwahl Holzhochhaus: welche Komponenten werden aus Holz und welche mit Massivbaustoffen ausgeführt?

Drei Themen:

  1. Low-Tech Prinzipien: Architektur, Konstruktionen, Materialwahl
  2. Gebäudeübergreifende Sanierungen: wie?
  3. Im Betrieb: Low-Tech und Nutzerkomfort. Regelt sich mein Gebäude von selbst?